Mittelohrentzündung – Was Sie wissen sollten

Ohrenschmerzen, Druckgefühl und Hörprobleme auf dem Ohr: Häufig ist eine akute Mittelohrentzündung der Grund. Das Mittelohr beginnt hinter dem Trommelfell und kann deshalb von außen nicht eingesehen werden. Viren können vom Nasen-Rachen-Raum über einen engen Kanal namens Ohrtrompete dorthin gelangen und eine Entzündung auslösen. Nicht alle Mittelohrentzündungen heilen von alleine. Daher sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, um bleibenden Gehörschäden vorzubeugen. Kinder sind besonders häufig betroffen.

Hier erfahren Sie alles, was Sie über eine Mittelohrentzündung (Fachbegriff: Otitis media acuta) wissen müssen: Symptome, Diagnose, Behandlung, Informationen zur Entstehung und möglichen Komplikationen.

Mittelohrentzündung – die Symptome

Mittelohrentzündungen sind immer mit heftigen Ohrenschmerzen verbunden, die oft pulsierend auftreten. Häufig fühlen sich Betroffene schlapp und krank oder haben Fieber. Neben einem Druck- und Völlegefühl im Ohr können Ohrgeräusche auftreten, die keine äußere Ursache haben (Tinnitus). Gleichzeitig hören sich Klänge in der Außenwelt dumpf und fern an. Die Hörfähigkeit ist insgesamt eingeschränkt. Es gibt darüber hinaus weitere Symptome und Folgebeschwerden, die auf eine Mittelohrentzündung hinweisen:

– Schwächegefühl
– Rötung und Schwellung hinter dem Ohr
– Schwindelgefühl
– Kopfschmerzen
– Flüssigkeit hinter dem Trommelfell
– Riss oder Loch im Trommelfell
– Ausfluss von Flüssigkeiten aus dem Ohr

Diagnose

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt begutachtet das Trommelfell und führt einen Hörtest durch. Dann entscheidet er, ob eine Behandlung nötig ist und wenn ja, welche. Generell kann unter ärztlicher Aufsicht auch zwei bis drei Tage abgewartet werden, ob die Symptome von alleine abklingen. Ist dem nicht so, kann ein Antibiotikum helfen. Ein Abstrich und eine anschließende bakteriologische Untersuchung werden nur bei immunschwachen Erkrankten und bei solchen durchgeführt, die trotz Antibiotikatherapie keine Besserung aufweisen. Mithilfe der bakteriologischen Untersuchung kann der genaue Krankheitserreger bestimmt und damit ein gezieltes Antibiotikum eingesetzt werden. Vor der Therapie müssen Ohrenschmerzen auslösende Krankheiten wie Diabetes oder Allergien berücksichtigt werden.

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Wie funktioniert ein Abstrich bei einer Mittelohrentzündung?

Bei einer Mittelohrentzündung wird mit einem sterilen Tupfer, einer kleinen Bürste oder einem Spachtel ein Abstrich der Mittelohrschleimhaut entnommen. Anhand dessen lassen sich die ursächlichen Erreger für den Arzt bestimmen.

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Behandlung einer Mittelohrentzündung

Zunächst behandelt der Arzt in den ersten 1 – 2 Tagen die Symptome der Mittelohrentzündung, zum Beispiel durch die Verabreichung von Schmerzmitteln und Nasenspray zum Abschwellen der Schleimhäute. Tritt in diesem Zeitraum keine Verbesserung der Entzündung ein, können Antibiotika eingesetzt werden.

Dauer einer akuten Mittelohrentzündung

Treten keine Komplikationen auf, klingt eine akute Mittelohrentzündung nach etwa 7 – 9 Tagen ab. Tritt eine Mittelohrentzündung innerhalb von 6 Monaten dreimal auf, oder innerhalb von 12 Monaten viermal, spricht man von einer wiederkehrenden Mittelohrentzündung. Besteht die Entzündung durchgängig über mehr als zwei Monate, handelt es sich um eine chronische Mittelohrentzündung.

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Entzündung des Warzenfortsatzes (Mastoiditis)

Der Warzenfortsatz ist der zapfenförmige Knochen hinter der Ohrmuschel. Bei einer schlecht oder gar nicht heilenden Mittelohrentzündung kann er sich entzünden. Die Symptome ähneln der einer Otitis media acuta, äußern sich in der Regel aber stärker.

Hausmittel gegen eine akute Mittelohrentzündung

Bewährt haben sich Zwiebel-Säckchen. Dafür schälen Sie eine Zwiebel und schneiden sie klein. Füllen Sie die Zwiebelwürfel in ein dünnes Stofftuch oder ein Säckchen, sodass nichts herausfallen kann. Anschließend erwärmen Sie den Beutel vorsichtig, zum Beispiel über Wasserdampf, zwischen zwei Wärmflaschen oder auch in der Mikrowelle. Auch möglich: Braten sie die Zwiebelwürfel vor dem Einfüllen kurz in einer Pfanne an. Doch Vorsicht, das Säckchen darf auf keinen Fall zu heiß sein, wenn Sie es anwenden.

Legen Sie das Säckchen so auf das Ohr, dass auch der Schädelknochen hinter der Ohrmuschel bedeckt ist. Die Wärme in Kombination mit Inhaltsstoffen der Zwiebel schafft Linderung. Um die Wirkung voll zu entfalten, sollte es mindestens eine halbe Stunde auf dieser Stelle bleiben, gerne auch länger. Um das Säckchen auf dem Ohr zu fixieren, können Sie eine Mütze, ein Stirnband oder auch ein umgebundenes Handtuch verwenden. Die Anwendung kann bei Bedarf zwei- bis dreimal täglich wiederholt werden.

Außerdem sollten Sie bei einer akuten Mittelohrentzündung in jedem Fall viel Flüssigkeit zu sich nehmen, zum Beispiel Wasser oder Tee.

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Weiterführende Informationen

Zum Überbegriff „akute Mittelohrentzündung“ gehören die folgenden Sonderformen:

Grippeotitis

Eine durch Grippeviren verursachte Entzündung des Mittelohrs. Sie zählt zu den schwersten Formen der Otitis media acuta und kann sogar zur vollständigen Taubheit des betroffenen Ohres führen.

Scharlach- und Masern-Otitis

Entsteht durch Übertragung der Bakterien in das Ohr über den Blutweg. Die Formen führen häufig zu einer zellzerstörenden Entzündung der Schleimhaut und einer entzündlichen Einschmelzung des Trommelfells.

Mucosus-Otitis

Ist eine Sonderform, bei der es zu gering ausgeprägten Veränderungen des Trommelfells kommt. Die Folge sind eine Knocheneinschmelzung im Warzenfortsatz. Im weiteren Verlauf kann es zu einer Hirnhautentzündung kommen.

Säuglings-Otitis

Eine Mittelohrentzündung bei Säuglingen ist häufig mit einer Infektion der oberen Atemwege verbunden. Dies kann beispielsweise durch eine Erkältung oder Grippe entstehen. Der Verlauf ist dann mit einer gewöhnlichen Otitis media acuta vergleichbar.

Komplikationen

Generell sind Komplikationen bei einer Mittelohrentzündung selten. Treten allerdings doch welche auf, können sie die Gesundheit stark beeinträchtigen. Eine relativ häufige Komplikation ist die Entzündung des Knochens hinter der Ohrmuschel, des sogenannten Warzenfortsatzes. Ärzte sprechen in diesem Fall von einer akuten Mastoiditis, die sich durch eine Rötung und eine wechselhafte Schwellung der Haut an der betreffenden Stelle zeigt. Häufige Mittelohrentzündungen bringen außerdem die Gefahr für einen chronischen Verlauf mit sich.

Dadurch kann das Trommelfell vernarben und auch die Gehörknöchelchen können Schaden nehmen. Diese sind nur wenige Millimeter groß und können durch eine chronische Mittelohrentzündung verwachsen oder auch zerstört werden. Beides kann wiederum eine bleibende Hörstörung zur Folge haben, weswegen bei den ersten Anzeichen dringend ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufgesucht werden sollte.

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Mittelohrentzündung und Hörgeräte

Chronische Mittelohrentzündungen können zu Hörverlust führen. Hörgeräte verhelfen in diesem Fall zu mehr Lebensqualität. Während einer Mittelohrentzündung sollten Träger von Hörgeräten allerdings Folgendes beachten: Bei chronischer Mittelohrentzündung sind In-dem-Ohr-Hörgeräte und Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte mit geschlossener Otoplastik (Ohrverschluss) ungünstig. Zu empfehlen ist eine „offene Hörgeräteversorgung“ mit Hinter-dem-Ohr-Hörgeräten, die einen dünnen Schlauch ins Ohrinnere führen. So bleibt das Ohr ausreichend belüftet. Eine Mittelohrentzündung kann jedoch nicht durch Hörgeräte verursacht werden, da die Infektion in der Regel über den Mund- und Rachenraum verläuft.

Gründe für die Entstehung einer Mittelohrentzündung

Eine akute Mittelohrentzündung kann auf verschiedene Art und Weisen entstehen:

– Eine Infektion des Nasen-Rachen-Raums gelangt über die Ohrtrompete (Tuba auditiva) in das Mittelohr
– Manchmal gelangen die Krankheitserreger über eine äußere Verletzung des Trommelfells direkt ins Mittelohr
– In sehr seltenen Fällen können Krankheitserreger aus der Blutbahn in das Mittelohr gelangen

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Ursachen, die an der Entstehung einer Mittelohrentzündung beteiligt sind:

– Verstopfung der Ohrtrompete, zum Beispiel bei Erkältungen
– Eine gegenwärtige oder vorangegangene Infektion der oberen Atemwege

Welche Erreger können eine Mittelohrentzündung hervorrufen?

Folgende Bakterien und Viren können ursächlich für eine Mittelohrentzündung sein:

– Streptococcus pneumoniae: Kann eine Lungenentzündung auslösen
– Haemophilus influenzae: Ruft eine fieberhafte Entzündung des Nasenrachenraums hervor
– Beta-hämölysierende Streptokokken: Kann besonders bei Frühgeborenen zu einer Blutvergiftung, Hirnhaut- oder Lungenentzündung führen

In seltenen Fällen ist es möglich, dass Grippeviren der Grund für eine akute Mittelohrentzündung sind. Dabei wird von einer sogenannten Grippeotitis gesprochen, die die gefährlichste Form der akuten Mittelohrentzündung ist, da sie mit der Ertaubung des Ohres enden kann.

Mittelohrentzündung bei Kindern

Vater und Kind
Vater und Kind

Kinder bis zum 6. Lebensjahr sind am häufigsten von einer akuten Mittelohrentzündung betroffen. Im ersten Lebensjahr machen 50 % der Säuglinge eine Mittelohrentzündung durch, im dritten Lebensjahr sind es dann sogar 80 %. Die größte Gefahr dabei ist, dass die Beschwerden der Kinder nicht ernst genommen werden und die Krankheit verschleppt wird. Dadurch kann es schnell zu einer andauernden Schwerhörigkeit bei dem Kind kommen. Folgende Anzeichen können ein wichtiger Hinweis sein, dass Ihre Kinder betroffen sind:

– ansteigende Körpertemperatur
– Fieber über 39° Celsius
– das Kind fasst sich ständig an das Ohr
– Schmerzen in der Bauchgegend

Bei Säuglingen und Kleinkindern, die häufiger eine Mittelohrentzündung haben, kann es zu einer Vergrößerung der Rachenmandeln kommen. In einem solchen Fall sollte anhand folgender Anzeichen überprüft werden, ob ein Entfernen der Mandeln sinnvoll ist:

– Probleme beim Atmen durch die Nase
– Ansammlung von Flüssigkeit hinter dem Trommelfell
– Mehrere Mittelohrentzündungen innerhalb eines Jahres

In der Medizin sprechen Ärzte bei der Entzündung der Rachenmandeln auch von einer Adenoitis.

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